Ein Akt der unwillkürlichen Offenbarung

In meinem vorletzten Artikel “Wolkenbruch” hatte ich jüngst über die  scheinbare Ohnmacht der Unternehmen bezüglich der hereinbrechenden “cloudifizierten” Produktflut und die Wirkungsweisen der hochtourigen Marketing-Maschinen der Software- und Hardwarehersteller geschrieben. Nun gesteht der erste Hersteller öffentlich:

VMware Cloud Infrastructure Suite is really more of a marketing term [...] a lot of individual products that don’t work well enough together yet

Mit diesen Worten outet VMWare CTO, Dr. Stephen Herrord sein Unternehmen in einer öffentlichen Präsentation und bestätigt damit eine wachsende Meinung in der IT-Welt. (Quelle: YoutTube – Stephen Herrod Speech (part 3/7) at VMUGIT  Zitat kommt bei 3:11 Minuten) .

Gleichzeitig schwächt er seine Aussage wieder mit dem entschlossenen Willen ab, an dem “fit together” zu arbeiten…

Die Moral von der Geschichte

Möglicherweise war dies nur ein freud’scher Versprecher oder aber es war einfach rhetorisch ungeschickt formuliert. Viel wichtiger ist jedoch, daraus die Erkenntnis abzuleiten, dass es bei Cloud Computing nicht um eine einzelne Technologie oder gar um ein Produkt geht. Cloud Computing ist weit aus mehr. Ich verstehe es als ein ganzheitliches und integratives Konzept/Philosophie/Architektur  für die Ausgestaltung eines service-orientierten IT -Betriebsmodells, mit speziellen Charakteristiken, wie sie das National Institute for Standards & Technologies (The NIST definition of cloud computing) bereits formal beschreibt.

Cloud Computing besitzt damit mehrere Perspektiven oder Dimensionen, die man bei der Planung und Umsetzung zu betrachtet. Technologie ist dabei nur eine, die jedoch in sich durchaus eine heterogene Landschaft aus Lösungskomponenten in einer harmonisierten End-to-End Architektur bedingt.

Mir gefällt hierzu der bildliche Vergleich zu einem Musikorchester. Innerhalb des Orchesters gibt es heterogene Musikinstrumente. In Kombination decken alle Instrumente das gesamte Spektrum ab, End-to-End.  Als Ganzes betrachtet spielt das Orchester als homogene und harmonisierte Einheit mit besonderer Charakteristik.  Wobei es genau wie auch im Cloud Computing unterschiedliche Ausprägungen von Orchestern gibt (Sinfonie-, Kammer-, Filmorchester und andere). Die Quintessenz in der technologischen Perspektive ist, den richtigen Mix von Technologien zu treffen und diese zu harmonisieren.

Dies ist die Königsdisziplin, die bisher keiner der großen Softwarehersteller innerhalb seines eigenen Portfolios abbilden konnte. Hier ist also “Cherry-Picking” und ein erfahrenes Händchen in der Architektur notwendig. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass unser vermeintlicher Lösungsraum mehr als eine Lösung zulässt, solange wir alle “Restriktionsgeraden” des Modells beachten. Eine “one-fits-all” -Lösung kann es aber sicherlich nicht geben – soviel ist klar!

Neben der rein technologischen Betrachtung sind auch die notwendigen organisatorischen Änderungen als eine der wesentlichen Dimensionen des Cloud Computings zwingend zu beachten. Warum gerade diese Dimension für ein erfolgreiches Cloud Computing Projekt mehr als elementar ist und welche weiteren Dimensionen zu betrachten sind, werde ich in einem der folgenden Beiträge erläutern.


Über den Autor

Björn Bredenkamp ist IT-Architekt und Vortragsredner. In seiner täglichen Praxis berät er Unternehmen hinsichtlich der Optimierung von IT-Systemlandschaften und -Betriebsmodellen.

Als reisender Geschichtenerzähler spricht er in seinen Vorträgen unter anderem über die akuten Herausforderungen in der Cloud. Als Unternehmensberater mit langjähriger Erfahrung, drehen sich seine Vorträge auch um die wundersame Welt der Professional Excellence; eine Arbeitsweise und Einstellung zur Dienstleistung, die nicht nur einem IT-Berater gut steht. Weitere Informationen finden Sie im Bereich “Über den Autor“.

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One Response to Eingeständnisse der cloudifizierten Unternehmen

  1. [...] Eingeständnisse der cloudifizierten Unternehmen [...]

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