Cloud Computing ist durchaus (k)ein technologiegetriebenes Thema. Das vermeintlich falsche Verständnis und der unscharfe Fokus führt daher zu großen Irritationen vor oder während der Planungsphase(-n) von Projekten. Zusätzliche Schwerpunkte müssen im Projektumfang gesetzt werden, die bisher nicht berücksichtigt wurden. Wissen und Werkzeuge für ein” Behavioural Change Management” sind notwendig, um Cloud Computing erfolgreich zu planen und umzusetzen.
Immer wieder begleite ich, als Berater in Projekten, Prozesse des Umdenkens, die mehr mit Menschen, Organisationstrukturen, Verhaltensweisen und innerbetrieblicher Wahrnehmung zutun haben, als mit Technologien und Produkten. Technologien stellen heute nicht mehr die primären Hürden dar, um Veränderungen und Verbesserungen in der IT umsetzen zu können. Eine wesentlich größere und omnipräsente Barriere stellt der Mensch dar. So wundert es nicht, dass sich größere IT-Projekte viel mehr mit “Organizational and Behavioural Change Management” beschäftigen müssen, als mit technischen Fragestellungen. Ungünstig aber wahr ist dazu die Tatsache, dass nur wenige Personen in der IT, wenn überhaupt, in dieser Disziplin über Wissen und methodische Werkzeuge verfügen, die sie in Projekte einbringen können.
Der Fehler im System
Cloud Computing Projekte sind dafür ein Paradebeispiel. Mittlerweile ist bekannt, dass Cloud Computing ein sehr komplexes Thema ist. Für einige Unternehmen ist es scheinbar sogar zu komplex, so dass sie Cloud Computing zeitweise sogar wieder als uninteressant ablegen. Die Folge daraus, Unternehmen schieben das Thema für sich weit in die Zukunft und hoffen derweil auf Aufklärung und “Simplifizierung” durch andere Unternehmen, Hersteller und Experten. Andere Unternehmen kommen über die Analyse und Planungsphase nicht hinweg, sondern stoppen ihr Vorhaben auf den ersten Meilen. Spätestens in der Integrationsphase für den laufenden IT Betrieb trifft die falsche Einschätzung des Projektumfanges die Unternehmen. Dort erheben sich kontroverse Fragestellungen und Barrieren, die unüberwindbar zu sein scheinen.
In allen genannten Fällen wird ein wesentlicher Fehler von den Unternehmen begangen. Sie unterstellen, dass Cloud Computing ein technologiegetriebenes Thema zur Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung ist. Cloud Computing bedingt jedoch nicht nur Änderungen in der technologischen Infrastrukturlandschaft zur Erreichung der angestrebten Ziele. Auch Veränderungen in der IT Organisation, in den IT Betriebsprozessen, den Skill-Anforderungen der IT Mitarbeiter sowie ein Umdenken in den Köpfen (Management und Mitarbeiter) nehmen eine beträchtliche Rolle im Projektumfang ein.
Neue Schwerpunkte erkennen
Ein Treiber und Erfolgsfaktor im Cloud Computing sind die sogenannten Skaleneffekte, die sich durch das Konzept des Cloud Computings realisieren lassen. Diese Skaleneffekte beziehen sich jedoch nicht alleine auf die technologische Ebene, sondern auch auf die für den Betrieb erforderlichen Aufwände und damit die benötigten Kapazitäten. Dies führt jedoch nicht unweigerlich und ausschließlich zu einer absoluten Kapazitätsreduzierung im IT Personal, – ein großer Irrtum in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung – sondern zu einer Verschiebung der benötigten Kapazitäten für operative Tätigkeiten, hin zu einem Mehrbedarf an Kapazitäten für Planungs- und Steuerungsaufgaben. Mit dieser Verschiebung einhergehend bedarf es zukünftig dann auch bei den IT Mitarbeitern an differenzierten Hard- und Softskills. Diese sind nach wie vor geprägt durch Technologie- und Produktwissen, müssen jedoch nun aber stärker mit Know-How aus dem IT Service Management gepaart werden.
IT Organisationen haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Von einer ehemals dezentralen und produktorientierten Struktur, hin zu einer stärker zentralistisch ausgerichteten Organisation, die eine funktional oder technologisch differenzierte Organisation abbildet. Speziell in den letzten Jahren haben viele Unternehmen versucht ihre IT als “Inhouse Shared Service Provider” zu etablieren. Die meisten Unternehmen habe dieses Ziel jedoch faktisch noch nicht erreicht, weil sie über die gleiche Barriere gestolpert sind, die auch beim Cloud Computing wieder zum Tragen kommt. Konkret ist hiermit die tailoristische Arbeitsaufteilung gemeint, mit der die IT Organisation in sogenannte “Silos” oder Abteilungen zerfällt. Cloud Computing bedingt eine Service-orientierte Organisation, die jedoch einen interdisziplinären Teamgedanken und eine technologie- und produktübergreifende Verantwortlichkeit, im Sinne einer End-to-End Betrachtung der Service-Elemente bedingt. Dafür ist es notwendig auch strukturelle Veränderungen in der IT Organisation anzustreben. Konkret wird hier ein integratives Organisationsmodell benötigt, das vertikale Funktionen in der IT Wertschöpfungskette enger miteinander verbindet.
Das Konzept des Cloud Computings bedingt ein angepasstes Betriebsmodell. Dieses lässt sich mit einer modularen Fertigungsstraße in einer Fabrik vergleichen. Die besondere Herausforderung des Modells ist der Betrieb einer hoch verfügbaren und elastisch-skalierbaren Plattform, auf der hoch standardisierte IT-Dienste modular und mandantenfähig dargestellt werden können. Um dies gewährleisten zu können, muss ein starker Fokus auf Planungsdisziplinen wie das Kapazitäts-, Verfügbarkeits-, und Service- Management gelegt werden. Andererseits müssen operative Prozesse, wie das Change und Release Management, wesentlich diffiziler betrachtet und ausgeführt werden. Bedingt durch den Anspruch zur Erreichung eines hohen Automatisierungsgrades, der Umsetzung von Provisionierungskonzepten und die hohe Intgeration von unterschiedlichen Virtualisierungstechnologien, verändert sich das Betriebsmodell auch hinsichtlich der Aktivitäten und Aufgaben der IT Administration wesentlich. Der Betrieb, die Pflege und die Aufrechterhaltung der Plattform wird der bestimmende Qualitätsfaktor in diesem Bereich.
Perspektivenwechsel
Es wurde schon viel geschrieben und diskutiert über die unsichtbare Mauer, die sich scheinbar zwischen IT und Endanwender befindet. Diese muss zwingend für eine erfolgreiche Einführung von Cloud Computing aufgebrochen werden. Ein wichtiger Aspekt hierfür ist, wie IT und Endanwender sich gegenseitig wahrnehmen. IT Endanwender sehen IT als bürokratischer Apparat, der quasi als “Gatekeeper” zwischen den Informationen und dem Business steht. Endanwender wollen schnellen und flexiblen Zugriff auf benötigte IT Ressourcen, Daten und Informationen. IT begrenzt oder verhindert dies typischerweise.
In Kontrast dazu, sieht die IT Ihre Endanwender oft als Opportunisten, die zwar Geschäftslösungen suchen, diese aber nicht betreiben müssen und daher auch nicht die Schwierigkeiten und Komplexität mit der sich die IT befassen muss, zu würdigen wissen. IT Endanwender fordern scheinbar ohne Kompromissbereitschaft und ohne Sinn für die Notwendigkeit von Datenkonsistenz und -sicherheit.
IT würde sich einer Illusion hergeben, wenn sie denkt, dass sie mit den gewohnten Praktiken weitermachen könnte. Um Cloud Computing erfolgreich im Unternehmen einzuführen, muss IT sich ein Stück neu erfinden und sich gegenüber dem Endanwender neu darstellen. Beide Seiten müssen sich dafür als Kooperationspartner wahrnehmen. Um dies zu gewährleisten, muss IT frühzeitig ein stärkeres Verständnis bei den Endanwendern für das neue Konzept und den damit einhergehenden Umbruch durch die Einführung von Cloud Computing wecken.
Alte Technologien, im neuen Kontext
Betrachtet man Cloud Computing von der technischen Perspektive, stellt man fest, dass das dahinterliegende Konzept aus technischen Lösungen besteht, die wir eigentlich einzeln schon seit länger Zeit im Zugriff haben. Virtualisierungstechniken, wie Terminal Services, sind bereits seit den 90er Jahren bei einigen Unternehmen im Einsatz. Die Automation und das Provisionierung kennen wir auch bereits seit längerer Zeit, denkt man nur einmal an die Softwareverteilung oder an Webmechanismen einiger Webhosting Unternehmen.
Auch das ganzheitliche Konzept, in dem diese Technologien zusammengeführt werden, ist bereits seit einigen Jahren, zumindest auf dem Papier bekannt, wenn man an die diversen Application Service Provider (ASP) oder beispielsweise an die OnDemand Initiative der IBM denkt. Neu hingegen ist, dass dieses Konzept jetzt auch als Enterprise- Ansatz verstanden wird und die Tatsache, dass Software- und Hardware-Hersteller ihre eigenen Produkte nun auf dieses Konzept einstellen und damit unterstützen.
Über den Autor
Björn Bredenkamp ist IT-Architekt und Vortragsredner. In seiner täglichen Praxis berät er Unternehmen hinsichtlich der Optimierung von IT-Systemlandschaften und -Betriebsmodellen.
Als reisender Geschichtenerzähler spricht er in seinen Vorträgen unter anderem über die akuten Herausforderungen in der Cloud. Als Unternehmensberater mit langjähriger Erfahrung, drehen sich seine Vorträge auch um die wundersame Welt der Professional Excellence; eine Arbeitsweise und Einstellung zur Dienstleistung, die nicht nur einem IT-Berater gut steht. Weitere Informationen finden Sie im Bereich “Über den Autor“.


[...] 2. – 4. auf die Veränderungen der ersten Dimension anpassen. Wie ich bereits in einem Blogbeitrag aufgezeigt habe, ist Cloud Computing eben kein technologiegetriebenes Thema, sondern ein Thema der [...]